Gesellschaft

Toxisch für Frauen: Warum Alkohol sie härter trifft

Professor Falk Kiefer steht im Tonstudio und antwortet auf Fragen zu Alkohol.
Evangelisches Medienhaus Stuttgart
Falk Kiefer ist ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Verfügbar, akzeptiert, gefährlich: Im Interview erklärt Suchtforscher Falk Kiefer, warum wir alle zu viel Alkohol trinken.

Das Feierabendbier, ein Absacker oder Frühschoppen: Alkohol ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Er ist mehr als ein Getränk, er ist fester Bestandteil von Ritualen, Feiern und sozialem Miteinander. Gesellschaftlich akzeptiert. 

Wir wachsen in einer Umgebung auf, in der der Griff zum Glas völlig normal ist. Deswegen lassen wir oft außer Acht, wie gefährlich Alkohol ist. Professor Falk Kiefer ist Suchtexperte in Mannheim. Er kennt setzt sich damit auseinander, was Alkohol mit unserer Gesellschaft macht.

Ab wann Alkoholkonsum schädlich wird

Portrait von Falk Kiefer. Er trägt ein helles Sakko über einem hellbraunen Pullover. Er lächelt freundlich in die Kamera
Evangelisches Medienhaus Stuttgart

Wie kommt es zu Alkoholabhängigkeit?

Falk Kiefer: Bei der Entwicklung von Sucht spielt vor allem die Verfügbarkeit des Suchtmittels und das Umfeld eine Rolle.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Alkohol überall zu bekommen ist. Wenn wir dann noch in einer Familie oder einem Freundeskreis groß werden, wo andere trinken, ist es völlig normal, dass man mittrinkt.

Und ab wann schadet es?

Falk Kiefer: Vom vermeintlich „normalen“ Trinkverhalten zum schädigenden Trinken bis zur Sucht ist es ein fließender Übergang. Da gibt es keine klare Grenze.

Im Podcast Alpha&Omega spricht Falk Kiefer gemeinsam mit Natalie Stüben über Alkoholsucht und was der Verzicht auf Alkohol bringt 🔽.

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Unterschiede im Trinkverhalten von Männern und Frauen

Trinken Frauen anders als Männer?

Falk Kiefer: In unserer Gesellschaft war es lange Zeit verpönt, dass Frauen Alkohol trinken. Ich kenne das noch aus meiner Jugend. Wenn wir Jungs mal betrunken waren, war das irgendwie lustig und uns wurde auf die Schulter geklopft. Bei Mädchen wurde das sehr kritisch beobachtet.

Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert. Die unter 25-jährigen Frauen trinken sich inzwischen genauso häufig ins Koma wie junge Männer.

Buchtipp: Frauen und Alkohol

Nathalie Stüben & Falk Kiefer: Frauen und Alkohol. Wie sie trinken, warum sie trinken und was sie gewinnen, wenn sie damit aufhören. Kailash Verlag, 2024, 304 Seiten, ab 19,99 Euro.

Inwiefern wirkt sich Alkohol bei Frauen anders aus als bei Männern?

Falk Kiefer: Frauen haben meist ein geringeres Körpergewicht und eine andere Fettverteilung als Männer. Das führt dazu, dass die gleiche Trinkmenge für Frauen toxischer ist.

Dadurch haben Frauen leider auch ein viel höheres Risiko für Folgeerkrankungen und werden zudem schneller abhängig.

Einige haben auch mit steigendem Alter das Gefühl, Alkohol nicht mehr so gut zu vertragen. An was liegt das?

Falk Kiefer: Alkohol beeinträchtigt

  • die Hormone
  • das Immunsystem
  • den Schlaf
  • und die Alltagsfähigkeiten.

Ein junger Körper kann sehr viel ab, ein älterer Körper ist grundsätzlich weniger belastbar. Dadurch können ältere Menschen den Alkoholkonsum deutlich schlechter kompensieren und sind stärker gefährdet, auch was Stürze angeht.

Und was ist mit dem einen Glas Rotwein, bei dem wir uns jahrelang eingeredet haben, dass es gesund ist?

Falk Kiefer: Ist nicht gesund. Neueste Studien zeigen, dass jeder Schluck Alkohol im Körper Schaden anrichtet.