Soziales

Keinen Alkohol trinken: Gewinn statt Verzicht

Ganzkörperaufnahme von Bestsellerautorin Nathalie Stüben
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Nathalie hatte viele Jahre ein Alkoholproblem und trank regelmäßig bis zum Blackout. Heute hilft sie anderen, nüchtern zu leben.

Seit neun Jahren trinkt Nathalie Stüben keinen Alkohol mehr. Als „trocken“ bezeichnet sie sich nicht, den Begriff mag sie nicht. Das Wort „nüchtern“ ist ihr lieber.

Von Scham, über die eigene Alkoholabhängigkeit zu sprechen, keine Spur. Offen erzählt sie aus der Zeit, als sie noch trank. Damals arbeitete Nathalie als Journalistin für verschiedene Medienunternehmen.

Egal, wie viel sie am Abend vorher getrunken hatte, sie erschien immer zum Dienst. Oft verkatert, einmal sogar mit gebrochenem Zeh, weil sie in der Nacht unbedingt noch betrunken mit dem Fahrrad nach Hause fahren wollte und stürzte.

Nathalie Stüben trägt eine schwarze Bluse und eine schwarze Nadelstreifenhose. Sie lächelt freundlich in die Kamera.
Evangelisches Medienhaus Stuttgart
Ihre Geschichte hat Nathalie in einem Buch aufgeschrieben und wurde damit Bestsellerautorin.

Pflichtbewusst war sie immer: „Ich war einfach wahnsinnig hart mir selbst gegenüber und kannte kein Erbarmen. Ich habe mich zur Arbeit geprügelt und Leistung abgeliefert.“

Mit 13 der erste Kontakt zum Alkohol

Angefangen hatte die Sache mit dem Alkohol bei Nathalie mit dreizehn. Da trank sie das erste Glas mit ihren Eltern. „In meiner Familie hatte Alkohol trinken etwas sehr Festliches.“

„Meine Eltern haben abends immer ein Glas Rotwein getrunken. Ich habe heute noch vor Augen, wie sie mit ihren schönen Gläsern angestoßen und sich ein Küsschen zugeworfen haben“, erinnert sich Nathalie. „Für mich war damit schon als Jugendliche klar: Zu einem guten Leben gehört Alkohol.“

Später betrank sich Nathalie mit ihren Freundinnen. „Ich konnte alle unter den Tisch trinken, weil ich viel vertragen habe. Das kam wahnsinnig gut an. Und damals war es auch noch witzig, am nächsten Tag aufzuwachen und mit meinen Freundinnen zu rekonstruieren, was am Abend vorher eigentlich passiert war.“

Kampf mit der Alkoholsucht

Nathalie hält ein Glas Weißwein in der Hand. Sie lächelt in die Kamera.
privat
Nathalie beim Feiern während des Studiums.

Nathalie wurde erwachsen und der Alkohol zum ständigen Begleiter. Oft trank sie bis zum Absturz: „Das war wie so eine dunkle Macht, die dann Besitz von mir ergriff. Es fühlte sich an, als würde sich in meinem Kopf ein Schalter umlegen. Und dann konnte ich nicht mehr aufhören.“

Ihre Blackouts wurden immer häufiger. Regelmäßig wachte sie neben Männern auf, bei denen sie sich nicht an die Namen erinnern konnte, geschweige denn, wie sie zusammen im Bett gelandet waren.

Heute schüttelt die Rosenheimerin darüber den Kopf: „Ich hatte wahnsinnig Glück, dass ich in diesen Nächten nie schwanger geworden bin. Oft wusste ich morgens nicht mehr, was da eigentlich passiert war.“

Immer mehr Menschen verzichten eine Zeit lang auf Alkohol. Wie gehst du mit dem Thema um? Schreib uns deine Gedanken via Social-Media: 

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Doppelleben: Alkohol als stille Sucht

Ihr Umfeld bemerkt scheinbar nicht, wie groß das Alkoholproblem inzwischen geworden war. „Der Alkohol hat mir nach und nach meine Lebensfreude geraubt. Meine Welt war dunkel geworden, ich war verzweifelt, gereizt und dünnhäutig. Und ich hatte eine große Melancholie in mir.“

Erst Jahre später hätten ihre Mutter und eine ihrer engsten Freundinnen wahrgenommen, wie schlecht es ihr wirklich ging, erinnert sie Nathalie.

Dass Alkohol der wahre Grund dafür war, ahnte niemand - auch Nathalie nicht.

Nathalie entwickelte immer mehr ein Doppelleben: 

  • Es gab die Nathalie, die im Job prima funktionierte und nach außen ein erfolgreiches Leben führte.
  • Und es gab die, die immer wieder bis zum Filmriss trank.
Nathalie hält ein Weinglas mit einer roten Flüssigkeit in der Hand. Es könnte Sangria sein. Sie blickt entspannt in die Kamera.
privat
Nathalie war zum Erasmus-Austausch in Bologna, Italien.

Wendepunkt: Nathalies Weg zur Abstinenz

Ein Morgen im Juli 2016 veränderte alles. Wieder einmal wachte Nathalie in ihrem wohlbekannten Horror auf: Ein nackter Typ neben ihr, dessen Namen sie vergessen hatte, ihr zerfetztes Sommerkleid auf dem Boden, Hämatome an den Beinen, bei denen sie sich beim besten Willen nicht erinnerte, woher sie stammten, und wo ihr Handy war, wusste sie auch nicht. Es war wie so oft und doch war es an diesem Tag anders.

An diesem Sommermorgen wurde Nathalie klar, dass sie aufhören würde zu trinken. Für immer.

Meine persönliche Schmerzgrenze war erreicht.

Sie schmiss den Mann aus ihrer Wohnung und fuhr zur Arbeit. Danach setzte sie sich hin und fing an, zu recherchieren.

Bestsellerautorin Nathalie Stüben im Radiostudio. Sie trägt Kopfhörer und spricht in ein Mikrofon.
Evangelisches Medienhaus Stuttgart
Sie hostet einen Podcast: „Ohne Alkohol mit Nathalie“

Alles, was sie im Internet zum Thema Alkoholsucht finden konnte, sog sie in den darauffolgenden Wochen und Monaten in sich auf: „Ich habe mich in jeder Minute meiner Freizeit damit beschäftigt.“

Alkoholentzug unterstützen

Sie las, wie wichtig es sei, Verbindlichkeit zu schaffen und erzählte ihrer Mutter und ihren engsten Freundinnen von ihrer Alkoholsucht, und dass sie jetzt aufhören werde zu trinken.

Und das zog sie durch. Nach und nach kehrte Nathalies Lebensfreude zurück: „Es war plötzlich so viel Ballast weg.“

Erfahrung: Leben ohne Alkohol

In den folgenden Monaten wurde Nathalie klar, dass sie mit ihrer Geschichte auch andere Menschen unterstützen könnte, sich aus der Alkoholabhängigkeit zu befreien.

Buchtipp: Frauen und Alkohol

Nathalie Stüben & Falk Kiefer: Frauen und Alkohol. Wie sie trinken, warum sie trinken und was sie gewinnen, wenn sie damit aufhören. Kailash Verlag, 2024, 304 Seiten, ab 19,99 Euro.

Ihr Podcast „Ohne Alkohol mit Nathalie“ wurde der erste deutschsprachige Podcast, der sich mit Abstinenz und Nüchternheit beschäftigt. Neben dem Podcast bietet Nathalie inzwischen Online-Programme an, mit denen sie Menschen in ein nüchternes Leben begleitet.

Und auch ihr Privatleben hat sich komplett verwandelt: Nathalie ist inzwischen verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

„Es war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt Nathalie Stüben heute über ihre Entscheidung, für immer mit dem Trinken aufzuhören. Sie vermisse den Alkohol keine Sekunde, im Gegenteil: „Keinen Alkohol zu trinken, ist für mich kein Verzicht mehr, sondern ein Gewinn“.