Karsten Seidel hat einen anstrengenden Job. Aber er mag ihn. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er Intensivpfleger. Er arbeitet mit schwer kranken Menschen, Männer und Frauen die leiden, und er sieht oft solche, die sterben. Das gehört dazu, sagt er. „Man versteht schnell, auf was man sich eingelassen hat.“
Lachen ist manchmal auch ein Schutz
„Wir lachen auch auf der Station“, betont Seidel. Entweder mit den Patienten und Patientinnen oder die Kollegen untereinander. Wenn ein Patient ihm morgens sage, dass er sehr schlecht geschlafen habe, erlaube er sich auch mal einen Scherz nach dem Motto, dass er dafür heute länger liegen bleiben dürfe. Das lockere die Stimmung auf, wofür die meisten Patienten dankbar seien.
Manchmal, sagt er, „ist es aber auch ein Schutzlachen“. Etwa wenn die Arbeit gerade sehr stressig oder die Situation eines Patienten sehr schlimm sei. Das Lachen gibt Abstand zum Schweren.
Wie hält man das aus, ständig Leid und Sterben um sich herum?
„Ich bin ein fröhlicher Mensch“, antwortet Karsten Seidel. Leben, Sterben und Tod – das gehöre zusammen, das müsse man akzeptieren. Und wenn er sich den ganzen Tag selber sage, „Oh Mann, wie viel Arbeit wir heute wieder haben“, dann werde die Arbeit auch nicht weniger. Seine positive, lebensbejahende Grundhaltung helfe ihm sowohl bei Stress als auch bei schwierigen Situationen: „Nicht alles wird gut, aber vieles. Daran muss man glauben.“
Der Opa brauchte Hilfe
Der Großvater von Seidel war blind. Als Kind hat er ihn oft besucht. Er hatte verstanden, dass der Opa Hilfe braucht, konnte damals aber nicht viel tun. Er habe ihm mal die Hand gereicht und geholfen aufzustehen oder ihn mal geführt. „Das war schön“, erinnert sich der 53-Jährige.
Er habe dann früh gewusst, dass er Alten- oder Krankenpfleger werden wolle. Fürs Krankenhaus habe er sich entschieden, weil er es letztlich interessanter fand. Im Frankfurter „Agaplesion Markus Krankenhaus“ arbeitet er seit drei Jahren.
Es den Menschen so schön wie möglich machen
Für ihn ist die Pflege nicht Beruf, sondern Berufung. „Ich treffe kranke Menschen, denen ich versuche, es mit meinem Wissen und meiner Art so schön zu machen, wie es gerade geht“, erklärt er seine tägliche Motivation. Allerdings kann er sich auch abgrenzen.