Glaube

Abschied von Kater Cobi: Wie Tiere bestattet werden

Tote Katze in einem Pappkarton mit Blumen
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Gina Derrant beerdigt Haustiere, von der Katze bis zum Kaninchen. Mit ihrem Tierfriedhof hat die 70-Jährige einen Ort der Begegnung geschaffen.

Cobi wurde elf Jahre alt. Der schwarz-weiße Kater mit den grünen Augen starb im April 2021 – über Nacht. „Wir waren in der Tierklinik und wurden gefragt, ob wir Cobi hier lassen wollen“, sagt Katrin Benary. Ihr Mann habe fürs Mitnehmen plädiert, erinnert sie sich. „Damit wir den Tod unserem Sohn Philipp beibringen können.“

Katrin Benary und Sohn Philipp am Grab von Kater Cobi
Florian Riesterer
Katrin Benary und Sohn Philipp pflegen das Grab von Kater Cobi

Heute bringt der Achtjährige mit seiner Mutter frische Blumen an Cobis Grab. Neben Cobi liegt Kater Tom unter der Erde, ein paar Reihen weiter Katze Tina und Kaninchen Schnuffel, genauso wie Hund Lampard, Schildkröte Joe Joe und Wellensittich Florche.

Sie alle haben einen gemeinsamen Ruheplatz. Seit 19 Jahren betreibt Gina Derrant den Tierwaldfriedhof in Enkenbach-Alsenborn. Rund 600 Tiere liegen hier begraben.

Platz für Gräber im Garten wird knapp

Gina Derrant auf ihrem Tierfriedhof
Christian Spangenberg
Gina Derrant betreibt den Tierwaldfriedhof Enkenbach-Alsenborn.

Sie habe in ihrem Haus in Kaiserslautern immer schon ältere Katzen aufgenommen, erzählt die 70-Jährige. Irgendwann wurde der Platz für Gräber im Garten knapp. Und als die Werbeagentur, in der sie arbeitet, wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen hat, steht ihr Entschluss fest: „Ich mach' was Neues, nicht mehr Büro, nicht mehr Sekretärin, sondern etwas, das mit Menschen zu tun hat, was mir Freude macht.“

Mit ihrer Tierfriedhof-Idee rennt sie erst einmal keine offenen Türen ein. „Das kannten die Leute gar nicht“, sagt Derrant. „Deshalb will ich es ja machen“, ist ihre Antwort.

Leicht ist die Suche nach einem Standort nicht. Schließlich findet sie im Enkenbach-Alsenborner Bürgermeister Jürgen Wenzel jemand, der ihr ein Grundstück zur Pacht anbietet. Das mit Birken, Kiefern und Buchen bewachsene 2.500 Quadratmeter große Gelände grenzt an den Gemeindefriedhof Alsenborn.

Einziger Tierfriedhof in der Pfalz

Bevor sie eröffnen kann, absolviert Derrant einen Behördenmarathon. Der Bundesverband der Tierbestatter schätzt, sie brauche sechs bis acht Jahre, Zeit für die Genehmigung. Letztlich werden es nur drei. „Fast schon rekordverdächtig“ schnell, sagt Gina Derrant. Ihre Ruhestätte für Tiere ist in der Pfalz einzigartig.

Ein bisschen verrückt muss man schon sein.

Gina Derrant holt die toten Tiere ab

Katze liegt in einem Kartonsarg
Gina Derrant
Gina Derrant kümmert sich um Kartonsärge für die Tiere.

Gina Derrant ist mit Herzblut dabei. „Ich mache das ja mehr für die Menschen. Auch wenn ich Tiere über alles liebe.“ Wenn ein Tier stirbt, fährt sie zu den Angehörigen. „Ich kann es bei mir für eine Nacht kühl legen.“

Derrant kümmert sich um einen Kartonsarg, legt ihn mit Tüchern aus, arrangiert ein paar Blumen dazu. „Alles, was privat ist, muss erstmal hinten anstehen.“ Schließlich soll das Tier schnell beerdigt werden. Sie blättert durch einen Ordner mit Bildern der Tiere. Selbst im Tod sehen die Tiere für sie noch schön aus. „Die verändern sich nicht, anders als Menschen.“

Eineinhalb Stunden Arbeit für ein Grab

Gina Derrant hebt ein Grab aus
Florian Riesterer
Gina Derrant bereitet ein Grab vor.

Auch um das Grab kümmert sich Gina Derrant selbst. Morgen soll eine Katze beerdigt werden. Die 70-Jährige zeigt auf ihren Spaten. „Mein Bagger.“ Rund eineinhalb Stunden braucht sie für die 90 Zentimeter tiefe Grube. Erst hackt sie die Grasnarbe ab, dann stößt sie „ihr Lieblingsfitnessgerät“ immer tiefer in den Boden.

In der Zeit im Büro sei ihre ganze Muskulatur verkümmert. Jetzt sind ihre regelmäßigen Kopfschmerzen am Feierabend wie weggeblasen. Aber die körperliche Arbeit müsse man auch wollen.

Ich sag immer: handeln, während die anderen noch reden.

Fünf Jahre ist die Mindestpachtzeit eines Grabs. Viele verlängern das aber. Eberhard und Petra Petras aus Altleiningen haben ihren ersten Hund schon vor 17 Jahren hier beerdigt.

„Atoll, für immer unser bester“ steht auf dem Grabstein. „Wir hatten erst an den eigenen Garten gedacht“, sagt Eberhard Petras. Aber wer wisse, was mit dem Grundstück geschehe, wenn sie vielleicht einmal das Haus verkauften. Und mit einem Grab, an dem sie täglich vorbeiliefen, könnten sie schwerer Abstand nehmen.

Hund Atoll sucht sich sein Grab selbst aus

Petra Petras und Hund Luke
Florian Riesterer
Petra Petras mit Hund Luke am Grab ihres Hunds Atoll.

„Atoll hat sich sein Grab selbst ausgesucht“, erinnert sich Petra Petras an den ersten Besuch auf dem Tierfriedhof. „Immer wieder ist Atoll in diese Richtung gelaufen.“

Petras sitzt auf einer Bank und schaut auf Atolls Grab, an ihrer Seite ihr neuer Hund Luke. Die Steine an der Grabumfassung stammen alle vom Ostseeurlaub des Ehepaars mit Atoll. „Er hat sich komplett im Sand eingebuddelt, nur der Kopf hat herausgeschaut“, erinnert sich Eberhard Petras. Ein braver Hund sei er gewesen, ohne Angst, selbst in der Wuppertaler Schwebebahn. Hauptsache, er war mit dabei.

Ich bin froh, dass er bei den anderen Tieren sein darf.

Wie es Atoll jetzt geht? „Ich glaube, das Leben geht weiter nach dem Tod und wir treffen uns“, sagt Petra Petras. Erst vor einer Woche habe sie ihre Mutter verloren. Vor knapp über einem Jahr sei ihre Nichte viel zu früh gestorben.

„Ich habe so eine Vorstellung: Dass sie über die Wiese läuft mit offenen Armen und Atoll kommt ihr entgegen.“ Der Hund und das Mädchen seien ein Herz und eine Seele gewesen. Sie habe ihn gefüttert. „Er hat den Kinderwagen bewacht, als sie noch ein Baby war.“

Es gibt keinen Himmel getrennt von Menschen und Tieren.

Grabstein eines Hundes
Florian Riesterer
Rund 600 Tiere sind auf dem Friedhof beerdigt.

Das habe ein befreundeter Pfarrer bei der Bestattung eines Häschens gesagt, sagt Gina Derrant. Das Tier sei das Ein und Alles seines Besitzers gewesen. Auch das kleinste Tier kann eine Verbindung haben zum Menschen, so habe der Pfarrer es ausgedrückt.

Tiere sind keine Gegenstände

Der Tierfriedhof ist ein guter Ort, um dem Tod Raum zu geben und dem Wert des Lebens. Tiere sind keine Wegwerfartikel, sagt Gina Derrant. „Mäxchen, geliebt und unvergessen“ steht auf einem Grabstein. „Strolch, du warst unser bester Freund und wirst es immer bleiben“ auf einem anderen.

Was bei einer Bestattung von Haustieren wichtig ist

  • Kleinere Tiere können zu Hause beerdigt werden, wenn das Grundstück nicht in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt.
  • Größere Tiere können auf einem Tierfriedhof beerdigt oder eingeäschert werden. Die Asche darf verstreut oder mit nach Hause genommen werden.
  • Für Huftiere wie Pferde oder Schafe ist wegen Seuchengefahr keine Erdbestattung möglich.

Bundesverband der Tierbestatter

Vor einigen Jahren hat sie eine Kindergartengruppe besucht. „Die Kinder haben mit mir eine Maus beerdigt, die mir meine Katze geschenkt hatte.“ Ein Mädchen habe gefragt, ob ihre Tante auch so beerdigt worden sei.

Zwei Stunden lang hätten sich die Kinder um die Gräber gekümmert, gerecht und gepflanzt. Einmal habe sie von einem Kindergarten auch ein zahmes Schäfchen bestatten sollen. „Das geht bei Huftieren aber nicht, wegen der Seuchengefahr.“

Hund an Krebs gestorben

Einige Meter weiter kniet Angelika Spiegel am Grab ihres Mischlingshunds Flori, das sie eben neu bepflanzt hat. „Er ist mit zehneinhalb Jahren an Krebs gestorben, die Chemo hat nichts geholfen“, sagt die 64-Jährige.

Sie ist froh, dass es den Tierfriedhof gibt. Er sei eine Art Begegnungsort. Schließlich hätten alle, die herkämen, ein Tier verloren. Das verbinde.

Utensilien für die Grabanlage
Florian Riesterer
Kaninchen Bruno bekommt einen neuen Grabstein und frische Blumen.

Gina Derrant hält auch nach den Bestattungen Kontakt zu vielen Grabbesitzern. Viele fragten nach dem Zustand der Gräber, manchmal fährt sie die zehn Kilometer zum Friedhof, weil jemand den Schlüssel zum Gelände vergessen hat und von weit angereist ist.

Ein Paar kommt zwei, drei Mal pro Jahr aus Straßburg, um nach einem Grab ihres Hunds zu sehen. Er hat sicher die längste Reise hinter sich. „Sie haben den Hund in Ozeanien zu sich genommen, weil es ihm dort nicht gut ging und sind mit ihm nach Paris geflogen“, sagt die Friedhofspächterin. Mehr als 550 Whatsapp-Kontakte stehen in ihrem Handy. Von einem 14-jährigen Mädchen, das sie auf dem Tierfriedhof kennengelernt hat, ist sie inzwischen sogar die Patentante.

Ein rotes Herz für den toten Kater

Kind bemalt Stein
Christian Spangenberg
Philipp gestaltet für Kater Cobi einen Kiesel.

Katrin Benary und Sohn Philipp genießen die Ausflüge von Kaiserslautern zum Friedhof. Der Achtjährige schreibt den Namen des Katers auf einen Kieselstein und verziert ihn mit roten Herzen. Katrin Benary entfernt altes Laub und pflanzt gelbe Ranunkel ein.

Der Zweitklässler verteilt Walnüsse für die Eichhörnchen. Die machen mit Buntspecht, Eichelhäher und etlichen anderen Vögeln den Friedhof zu einem lebendigen Ort – genauso wie die Erinnerungen.

Cobi ist mit Philipp aufgewachsen, ist auf dem Spielplatz gewesen, hat uns mit dem Kinderwagen begleitet“, erinnert sich Katrin Benary wehmütig. Anschließend sitzen Mutter und Sohn in der Sonne und lesen, bis sie vom Grab des Katers Abschied nehmen.