Gesellschaft

Digital Dreams – Ist KI traumhaft oder ein Albtraum?

Ein Kind mit einer Brille hält ein Smartphone in der Hand vor seinen Mund. Auf dem Smartphone-Bildschirm ist eine App geöffnet, die ein stilisiertes Roboter-Symbol und eine Audiowellenform oder Soundwelle anzeigt. Es sieht aus wie eine Sprachassistenten-App oder eine KI-bezogene Anwendung.
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Zwischen Spaß und Ernst: KI fordert unsere Medienkompetenz heraus. Besonders Jugendliche müssen mit der neuen Technologie vertraut umgehen können.

„Das mache ich mit ChatGPT.” Hast du den Satz auch schon einmal gesagt? Egal ob lustige Namensvorschläge für WhatsApp-Gruppenchats oder Zusammenfassung aufwendiger Internet-Recherche für die nächste Präsentation: KI-Anwendungen beschleunigen schon jetzt so manche Prozesse.

Gerade für Jugendliche wird es eine Welt ohne diese Tools nicht mehr geben. Wichtig also, sich jetzt schon mit der neuen Technik vertraut zu machen. Was ist okay und was soll ich lieber lassen?

„Für mich ist KI eine Welt, die einerseits unbegreiflich ist, weil es so komplex ist. Ich verstehe gar nicht, wie das alles funktioniert. Und andererseits bin ich dann noch interessierter“, sagt Emanuel. Deswegen war der 16-Jährige bei der Jugendkonferenz „Digital Dreams“ in Frankfurt dabei.

KI: schon jetzt treuer Begleiter

Emanuel nutzt bereits sogenannte Large-Language-Programme (LLM) wie ChatGPT „bei den Aufgaben im Alltag.“ Damit meint er vor allem Arbeitsaufträge in der Schule: „Ich bin im Politik-Leitungskurs. Dort müssen wir oft lange Texte lesen. Ich lasse sie mir dann von ChatGPT zusammenfassen.“

Damit ist Emanuel nicht der Einzige. Laut aktuellen Zahlen einer Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands haben 78 Prozent der 16-35-Jährigen Anwendungen von Künstlicher Intelligenz schon einmal genutzt. 26 Prozent aller Befragten sind dabei sogenannte „Heavy User“ und benutzen KI mehrmals die Woche. 

Die Idee kommt vom Mensch, der Rest macht die Maschine

Laut dieser Studie wird KI am häufigsten in der Textproduktion verwendet. Also beim Schreiben von beispielsweise E-Mails. Bei den Teilnehmenden der Jugendkonferenz ist auch das Erstellen und Bearbeiten von Videos, Fotos und Audio-Dateien beliebt.

Doch wie das richtig geht, lernen sie bei der Konferenz von KI-Profis. Beispielsweise im Workshop vom Journalisten Christian Schiffer. „Wir erschaffen eine eigene Filmwelt“, erklärt Emanuel. Dafür nutzt er mehrere generative KI-Anwendungen:

  • LLM ChatGPT
  • LLM Claude
  • Bildgenerator Flux

Zusammen mit dem Journalisten entsteht ein eigenes fiktives Fantasy-Universum mit Charakter-Design, Soundtrack und Drehbuch.

Die Jugendlichen selbst haben nur sehr grobe Vorstellungen. Kreativ umgesetzt werden sie von der Maschine und das innerhalb von Sekunden. „Ich bin begeistert, wie die KIs zusammenarbeiten und zusammen ein Produkt erstellen“, sagt Emanuel.

Auch Kriminelle nutzen künstliche Intelligenz

Doch die neue Technologie birgt auch Gefahren, ein Dämpfer bei aller Begeisterung. Deswegen lernen die Jugendlichen in der Evangelischen Akademie einen verantwortungsvollen Umgang damit. Denn die generativen Tools können beispielsweise in den Händen von Betrügern und Kriminellen großen Schaden anrichten.

Besonders gefährlich ist Telefonbetrug mit KI-Stimme. Wie beim „Enkeltrick“ werden Opfer am Telefon mit erfundenen Notfällen unter Druck gesetzt. Der einzige Unterschied: Beim „Enkeltrick 2.0“ spricht nicht der Betrüger, sondern es klingt so, als würde das Familienmitglied selbst sprechen. Dazu reicht bereits eine kurze Audio-Aufnahme der Stimme, die gefälscht werden soll und die passende KI-Software.

Wie stehst du zu KI? Bist du schon voll dabei oder ist das alles für dich noch eher fremd? Teil mit uns und der indeon-Community gerne deine Erfahrungen über:

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„Es wird in Zukunft immer schwieriger werden, im Netz zwischen Wahrheit und ‚Fakes‘ zu unterscheiden“, sagt Silvia Meier. Sie ist die Geschäftsführerin der EKHN Stiftung, die die Konferenz organisiert hat. „Deshalb haben wir darauf geachtet, künstliche Intelligenz ausgewogen und auch kritisch darzustellen.“

Ihr ist es wichtig, dass die Jugendlichen auf alle Herausforderungen vorbereitet sind: „Wir möchten, dass sie früh einen Eindruck von beiden Seiten bekommen.“ Damit meint sie sowohl die nützlichen als auch die risikoreichen. Auch wenn die Zukunft ungewiss sei, eines hält sie für unausweichlich: „KI ist kein Trend, sondern wird bleiben.“