Es ist ein magischer Moment, wenn ich „frei komme“. Wenn der letzte Schritt mich nicht mehr tragen muss, sondern ich plötzlich getragen werde von zwei Dutzend Quadratmetern Nylon über mir. Von einem Augenblick auf den andern ist die irdische Schwere weg.
Das Getragensein erleben Gleitschirmflieger im Gurtzeug intensiver als jeder andere Flugsportler. Das hat eine starke psychische Dimension. Jeder von uns hat das Getragensein als Körpererinnerung aus Kindertagen in sich. Und noch früher als das: im Bauch der Mutter hatten wir schon einmal dieses ozeanische Gefühl des Fliegens, frei zu sein und zugleich getragen zu sein, in einer Welt ohne Ecken und Kanten.
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Hinzu kommt das überwältigende Erlebnis der Weite, das sich unter einem Gleitschirm mit seiner unverbauten Rundumsicht einstellt. Auch das kann das Fliegen zu einem ozeanischen Erlebnis machen: wie entgrenzt sind wir mitten in der Unendlichkeit des Himmels, hineingegeben in eine grandiose Offenheit.
Es sind grandiose Gefühle dort oben. Doch nach ein paar Stunden, wenn die Thermik zerfällt und die Müdigkeit kommt, weiß ich: Ich bin und bleibe ein Erdling. Die Flügel sind nur geliehen, im Licht der Höhe bin ich nur Gast. Das Stück Vermessenheit, das darin liegt, sich oben als der Größte zu fühlen, wird fühlbar beim Abstieg, wenn der Kopf glüht und die Blase drückt.
So wie das Fliegen für mich eine spirituelle Dimension hat, so auch die Landung, die bewusste Rückkehr auf die Erde mit ihren Gesetzen, auf den Boden der Tatsachen.
Geerdet leben heißt, im Alltag nicht abheben und Illusionen nachlaufen.
Zugleich bedeutet es, mit der himmlischen Perspektive im Herzen vertraut zu bleiben, den Kräften der Seele, die nach dem Großen ausgreifen, denen ich bei meinen Flügen begegne. Ich lebe dann auch unten mit diesem größeren Horizont, der mir hilft, nicht kleinlich zu werden mit mir und den andern.
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